Erstes Symposium zur personenzentrierten Pflege

Im Juni 2025 organisierte das Team von Andrea Koppitz, ordentliche Professorin FH am Institut für angewandte Gesundheitsforschung der Hochschule für Gesundheit Freiburg (HfG FR), erstmals ein Symposium zur personenzentrierten Pflege.
Die personenzentrierte Pflege ist ein evidenzbasiertes Konzept, das insbesondere in der stationären Langzeitpflege von Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle spielt. Seit 2019 gilt dieser Ansatz bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Referenzmodell in der Gesundheitsversorgung. Ziel der personenzentrierten Pflege von Menschen mit Demenz ist es, trotz fortschreitender Erkrankung Würde, Identität, Autonomie und Lebensqualität zu erhalten.
Im Fokus steht nicht primär die kognitive Beeinträchtigung, sondern der Mensch als einzigartige Persönlichkeit mit individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und Ressourcen. In diesem Verständnis wird sogenanntes hinweisendes Verhalten von Menschen mit Demenz nicht als Verhaltensstörung interpretiert, sondern als Ausdruck unerfüllter körperlicher, emotionaler oder sozialer Bedürfnisse. Ein weiterer zentraler Bestandteil der personenzentrierten Pflege von Menschen mit Demenz ist die Förderung von Selbstständigkeit, Autonomie und Teilhabe.
Ebenso wichtig ist die professionelle Beziehungsgestaltung. Menschen mit Demenz sind in besonderem Masse auf emotionale Sicherheit und Verlässlichkeit angewiesen. Pflegeinterventionen basieren daher auf Empathie, Wertschätzung und Validierung. Sie sind ressourcenorientiert ausgerichtet und beziehen die betroffene Person in alltägliche Entscheidungen ein. Strukturierte Tagesabläufe, Rituale sowie eine angepasste verbale und nonverbale Kommunikation tragen dazu bei, Angst, Stress und Desorientierung zu reduzieren.
Darüber hinaus kommt der Gestaltung der physischen und sozialen Umwelt eine zentrale Bedeutung zu. Eine demenzgerechte, übersichtliche und vertraute Umgebung erleichtert die Orientierung und stärkt das Gefühl von Sicherheit. Die Einbindung der Angehörigen als Expertinnen und Experten für die Lebensgeschichte der betroffenen Person verbessert die Pflegequalität und sichert die Kontinuität der Betreuung. Die erfolgreiche Umsetzung personenzentrierter Pflege setzt eine kontinuierliche Weiterbildung, geeignete organisatorische Rahmenbedingungen sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit voraus.
Bei diesem ersten Symposium zur personenzentrierten Pflege von Menschen mit Demenz tauschten sich Fachpersonen aus der Pflegepraxis, Ärztinnen und Ärzte sowie Expertinnen und Experten für die Abrechnung mit interRAI LTCF (Long-Term Care Facilities) über Beispiele bewährter Praxis aus, die in Pflegeheimen umgesetzt wurden.
Zudem wurde das angewandte Forschungsprojekt PAPA vorgestellt. In diesem Netzwerk arbeiten mehrere Pflegeheime mit der Forschungsgruppe LORE der HfG FR zusammen, um die personenzentrierte Pflege in den Freiburger Langzeitpflegeeinrichtungen weiterzuentwickeln und zu verbreiten.